Das "Mal eben"-Prinzip
Es gibt ja bekanntlich Worte und Begriffe, bei denen einem schon Böses schwant, wenn man sie nur hört. Solche Dinger wie "Fliegeralarm", "Ordnungsamt", "Windows 95", "Vogelgrippe" oder "Schulferien" zum Beispiel.
In diesem Hause gibt es einen Ausdruck, der sich auch problemlos in diese Kategorie eingliedert. Der kleine Ausdruck "mal eben". Klingt an sich ungefährlich, das stimmt wohl. Das ist ja gerade das Gemeine daran. Man denkt sich noch nichts Böses, wenn der Begriff irgendwo auftaucht. Jedenfalls noch nicht beim ersten Mal. Mit der Zeit wird man aber doch mißtrauisch, wenn es wieder heißt "mal eben". In diesem Hause wird der Ausdruck mit besonderer Vorliebe von meiner Frau Mutter verwendet. Und das ist alles andere als ungefährlich. Es geht schon los mit diesen Rufen von ganz unten (wo sie sitzt) nach ganz oben (wo ich sitze): "Komm mal eben runter!" Und nein, man sollte nicht glauben, auf die Frage "Warum?!" würde mir ein triftiger Grund genannt, aus dem ich die Treppen runtersteigen könnte. Im Gegenteil. Es heißt höchstens nochmal "Komm mal eben runter!" Da kann ich so oft "Warum?!" fragen wie ich will, notfalls auch bis ich blau anlaufe. Meistens liegt das daran, daß ich wegen irgendwelchem völlig unwichtigen Scheiß runterkommen soll, für den ich mich im Normalfall überhaupt nicht bewegt hätte. Oder es heißt "Weil ich nicht durchs ganze Haus brüllen will!" Ja, dann komm doch hoch! Du willst doch was von mir, wieso muß ich denn dann runterkommen?! Sehr beliebt ist auch "Du könntest mal eben die Wäsche aufhängen!" Das "mal eben" impliziert ja eigentlich, daß es schnell gehen müßte. Vielleicht ein Korb voll mit T-Shirts oder Handtüchern, so Zeug halt, das man auch wirklich mal eben auf die Leine schmeißen kann. Aber Nüsse. Meistens steht der ganze Keller voll mit Wäschekörben voller Kleinkram. Socken, Unterwäsche, solcher Kleinscheiß eben, den man in mühevoller Kleinstarbeit einzeln auf die Leine klammern muß. Da müßte ich ja Essig gesoffen haben! Wozu hat man schließlich einen Wäschetrockner? Da kann man das Zeug auch wunderbar "mal eben" reinstopfen und gut ist. Auch ich habe schließlich besseres zu tun, als mich stundenlang in den Garten zu stellen und jede einzelne Socke einzeln auf die Leine zu klammern. Daß ich arbeitslos bin heißt ja auch noch lange nicht, daß ich für jede Drecksarbeit zu haben bin!
Absoluter "Mal eben"-Klassiker war allerdings der Tag, an dem meine Mutter entdeckte, daß im Teppich im Gästezimmer die Motten sind. Kenner unseres Wohnbunkers fragen sich jetzt zurecht "Teppich?! Wo war der denn?!" Nun ja. Es ist schon wahr, man hat nicht viel von diesem Teppich gesehen, und wie und warum sich meine Mutter durch die ganzen Schichten von Kros und Schund gebuddelt hat, um ausgerechnet der Teppichecke unter dem Couchtisch ansichtig zu werden, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber die Ansage kam. "Wir müssen mal eben den Teppich da rausholen, da sind die Motten drin!" Mal eben, ähä. Man bedenke, wir reden hier von einem Perserteppich im Format 2x3 Meter, wenn nicht sogar noch größer. Und auf diesem Teppich stand an diesem Tag nicht nur ein Couchtisch mit Marmorplatte und zudem noch vollbeladen, sondern auch ein Teil des Eck-Schlaf-Sofas, ein Stück Regal (selbstverständlich auch vollgepackt mit irgendwelchem Krempel), ein mit Wäsche vollgeladenes Bügelbrett, dutzende Schuhkartons, Plastiktüten mit Geschenkpapierrollen, jede Menge Deko-Nippes und weiß der Geier was nicht noch alles. Und nein, mehr als einen Fuß hat man in diesem Zimmer schon seit vielen Jahren nicht mehr auf den Boden bekommen. Und unter all diesen über Jahre hinweg angesammelten Unmengen von Krempel sollte jetzt der Teppich weggeholt werden. Das Ganze unter der Ägide einer Mutter, die zwar in der Theorie alles weiß, und noch dazu besser, in der Praxis aber schon im Stehen kapituliert mit den Worten "Ich hab aber'n kaputten Rücken!" Na sicher. Der Mensch hat ja auch sonst keine Hobbies. Und das alles "mal eben"... Was soll ich denn dazu noch sagen? Schon allein das Freilegen des Teppichs und das Wegräumen der Zillionen Kilo sinn- und verstandfrei eingekaufter Bekleidungsartikel und Deko-Nippes dauerte fast zwei Stunden. Nein, Spaß hat das keinen gemacht. Staubig war es auch noch. Und die Mottenkacke war, mit Verlaub, auch ziemlich eklig. Aber bei dem ganzen Plunder, der da eingelagert wurde, war's ja kein Wunder, daß irgendwann die Motten kommen. Der Überraschungseffekt diesbezüglich war also eher gering. Allerdings änderte das auch nicht viel an der Tatsache, daß zuerst der Couchtisch, dann das Schlafsofa und dann auch noch das Regal angehoben werden mußten. Logischerweise, ohne vorher von dem ganzen Müll befreit zu werden, der darauf oder darin gelagert war. Und dreimal darf geraten werden, wem diese zweifelhafte Ehre zuteil wurde... Die Firma dankt. Abgerundet wurde die ganze Aktion schließlich noch mit dem Befehl "Bring mal eben den Teppich runter!" Ja nee, is klar... Noch so eine Aktion, dann sag ich auch "Ich hab aber'n kaputten Rücken!"
Stimmung: passt scho... ~*~ Musik: Bruce Springsteen - Home Demos
In diesem Hause gibt es einen Ausdruck, der sich auch problemlos in diese Kategorie eingliedert. Der kleine Ausdruck "mal eben". Klingt an sich ungefährlich, das stimmt wohl. Das ist ja gerade das Gemeine daran. Man denkt sich noch nichts Böses, wenn der Begriff irgendwo auftaucht. Jedenfalls noch nicht beim ersten Mal. Mit der Zeit wird man aber doch mißtrauisch, wenn es wieder heißt "mal eben". In diesem Hause wird der Ausdruck mit besonderer Vorliebe von meiner Frau Mutter verwendet. Und das ist alles andere als ungefährlich. Es geht schon los mit diesen Rufen von ganz unten (wo sie sitzt) nach ganz oben (wo ich sitze): "Komm mal eben runter!" Und nein, man sollte nicht glauben, auf die Frage "Warum?!" würde mir ein triftiger Grund genannt, aus dem ich die Treppen runtersteigen könnte. Im Gegenteil. Es heißt höchstens nochmal "Komm mal eben runter!" Da kann ich so oft "Warum?!" fragen wie ich will, notfalls auch bis ich blau anlaufe. Meistens liegt das daran, daß ich wegen irgendwelchem völlig unwichtigen Scheiß runterkommen soll, für den ich mich im Normalfall überhaupt nicht bewegt hätte. Oder es heißt "Weil ich nicht durchs ganze Haus brüllen will!" Ja, dann komm doch hoch! Du willst doch was von mir, wieso muß ich denn dann runterkommen?! Sehr beliebt ist auch "Du könntest mal eben die Wäsche aufhängen!" Das "mal eben" impliziert ja eigentlich, daß es schnell gehen müßte. Vielleicht ein Korb voll mit T-Shirts oder Handtüchern, so Zeug halt, das man auch wirklich mal eben auf die Leine schmeißen kann. Aber Nüsse. Meistens steht der ganze Keller voll mit Wäschekörben voller Kleinkram. Socken, Unterwäsche, solcher Kleinscheiß eben, den man in mühevoller Kleinstarbeit einzeln auf die Leine klammern muß. Da müßte ich ja Essig gesoffen haben! Wozu hat man schließlich einen Wäschetrockner? Da kann man das Zeug auch wunderbar "mal eben" reinstopfen und gut ist. Auch ich habe schließlich besseres zu tun, als mich stundenlang in den Garten zu stellen und jede einzelne Socke einzeln auf die Leine zu klammern. Daß ich arbeitslos bin heißt ja auch noch lange nicht, daß ich für jede Drecksarbeit zu haben bin!
Absoluter "Mal eben"-Klassiker war allerdings der Tag, an dem meine Mutter entdeckte, daß im Teppich im Gästezimmer die Motten sind. Kenner unseres Wohnbunkers fragen sich jetzt zurecht "Teppich?! Wo war der denn?!" Nun ja. Es ist schon wahr, man hat nicht viel von diesem Teppich gesehen, und wie und warum sich meine Mutter durch die ganzen Schichten von Kros und Schund gebuddelt hat, um ausgerechnet der Teppichecke unter dem Couchtisch ansichtig zu werden, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber die Ansage kam. "Wir müssen mal eben den Teppich da rausholen, da sind die Motten drin!" Mal eben, ähä. Man bedenke, wir reden hier von einem Perserteppich im Format 2x3 Meter, wenn nicht sogar noch größer. Und auf diesem Teppich stand an diesem Tag nicht nur ein Couchtisch mit Marmorplatte und zudem noch vollbeladen, sondern auch ein Teil des Eck-Schlaf-Sofas, ein Stück Regal (selbstverständlich auch vollgepackt mit irgendwelchem Krempel), ein mit Wäsche vollgeladenes Bügelbrett, dutzende Schuhkartons, Plastiktüten mit Geschenkpapierrollen, jede Menge Deko-Nippes und weiß der Geier was nicht noch alles. Und nein, mehr als einen Fuß hat man in diesem Zimmer schon seit vielen Jahren nicht mehr auf den Boden bekommen. Und unter all diesen über Jahre hinweg angesammelten Unmengen von Krempel sollte jetzt der Teppich weggeholt werden. Das Ganze unter der Ägide einer Mutter, die zwar in der Theorie alles weiß, und noch dazu besser, in der Praxis aber schon im Stehen kapituliert mit den Worten "Ich hab aber'n kaputten Rücken!" Na sicher. Der Mensch hat ja auch sonst keine Hobbies. Und das alles "mal eben"... Was soll ich denn dazu noch sagen? Schon allein das Freilegen des Teppichs und das Wegräumen der Zillionen Kilo sinn- und verstandfrei eingekaufter Bekleidungsartikel und Deko-Nippes dauerte fast zwei Stunden. Nein, Spaß hat das keinen gemacht. Staubig war es auch noch. Und die Mottenkacke war, mit Verlaub, auch ziemlich eklig. Aber bei dem ganzen Plunder, der da eingelagert wurde, war's ja kein Wunder, daß irgendwann die Motten kommen. Der Überraschungseffekt diesbezüglich war also eher gering. Allerdings änderte das auch nicht viel an der Tatsache, daß zuerst der Couchtisch, dann das Schlafsofa und dann auch noch das Regal angehoben werden mußten. Logischerweise, ohne vorher von dem ganzen Müll befreit zu werden, der darauf oder darin gelagert war. Und dreimal darf geraten werden, wem diese zweifelhafte Ehre zuteil wurde... Die Firma dankt. Abgerundet wurde die ganze Aktion schließlich noch mit dem Befehl "Bring mal eben den Teppich runter!" Ja nee, is klar... Noch so eine Aktion, dann sag ich auch "Ich hab aber'n kaputten Rücken!"
Stimmung: passt scho... ~*~ Musik: Bruce Springsteen - Home Demos




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