Friday, September 15, 2006

Zeitlos...

So schnell kann das gehen, gestern abend saß ich plötzlich zeitlos da. Die Batterie in meiner Uhr war leer. Ganz großes Kino. Daß sowas gerade mir passieren muß, wo ich doch ohne Uhr quasi halbnackt bin. Ich kann nicht ohne meine Zeit, da werde ich rammdösig. Und da es sich diesmal, im Gegensatz zu vielen anderen Uhren, die ich in der Vergangenheit hatte, lohnen würde, die Batterie wechseln zu lassen (weil der Preis dafür nicht größer oder gleich dem Anschaffungspreis der Uhr wäre), dachte ich mir also, machste dich mal schlau, wo man das machen lassen kann. Also Marsch ins Wohnzimmer, wo die Elternschaft gerade versammelt vor der Glotze hing. "Am Bahnhof!", hieß es zunächst mal. Nee klar... Ich renn auch mit der Uhr zu irgendso einem Unterführungs-Abdul, der mir für einen Euro die Batterie wechselt und gleichzeitig mal die Uhr schrotet. Da träum ich ja von. "Dann geh zum Uhrmacher!", kam es von Muttern. Und wo haben wir mal grad einen? "Im EC-Center ist einer!" Äääh... bitte wo?! Ich habe zwar eine EC-Karte und bin auch schon mal mit einem EC der Bahn von Hamm nach Weimar gefahren, aber wo um alles in der Welt haben wir in dieser Stadt ein EC-Center?! Wie sich herausstellte, redete meine Mutter von den City Arkaden. Na danke. Warum nicht gleich das Kind beim Namen nennen, dann weiß ich auch Bescheid. Wo genau, das konnte mir aber auch keiner sagen. "Mußte mal gucken, das is da irgendwo, siehste schon!" Siehste schon?! Sind wir hier bei Mario Barth?! Nee klar... Ich hab das mal so im Raum stehen gelassen. "Und wenn du schon da hin gehst, kannste auch noch meine Uhr mitnehmen!", ließ sich Muttern auch prompt noch vernehmen. Ja sicher... "Die liegt da irgendwo im Esszimmer!" Nee klar. Wieder dieses irgendwo... Da hätte sie auch gleich 1945 in Dresden einen Kieselstein verlieren können...
Das nächste Problem war dann, daß ich ja übergangsweise mal eine andere Uhr brauchte, denn wie gesagt, ohne Uhr bin ich quasi halbnackt, und ich kann ja auch nicht ständig aufs Handy leuern, geschweige denn, mir das Ding am Arm festkleben... Also gucken wir doch erstmal im eigenen Fundus. Aber, Überraschung, da tickte auch nichts mehr. Von daher ging es dann nach dem Motto "Man leihe sich..." Frage ist nur, von wem. Nun ist es ja nicht so, daß meine Eltern jeder nur eine Uhr besäßen. Mitnichten. Zusammengenommen haben sie glaube ich so viele, daß es für jede Zeitzone dieser Welt reichen würde. Nein, ich habe keine Ahnung, warum. Gut, auch da unten tickte nur noch die Hälfte, aber das war ja schon Auswahl genug. Ich muß aber zugeben, daß ich die Uhrenkollektion meiner Mutter nicht weiter unter die Lupe genommen habe... Diesen ganzen Mode-Nippes mußte ich wirklich nicht haben, das wäre ja Stilbruch. Abgesehen davon, daß man auf den meisten Uhren vor lauter Schnick und Schnack und Zipp und Zapp sowieso die Zeit nicht mehr lesen kann. Also hab ich mal geguckt, was Vattern so rumliegen hat. Problem hierbei war eigentlich nur die Tatsache, daß ich ja so entsetzlich dünne Ärmchen habe, insbesondere im Vergleich zu meinem Vater. Von daher war die Armbandlänge so ein Kapitel für sich... Schlußendlich, zum Glück hat das keiner gesehen, blieb mir dann nur der Griff in die Antiquitätenkiste, und die "Olympia 1996 in Atlanta"-Gedächtnis-Uhr von McDonalds mußte zur Überbrückung herhalten. Wieso das Ding noch tickte, war mir zwar ein Rätsel, aber was soll's, sollte mir nur recht sein. Endlich wieder Zeit am Arm!

Und so bin ich dann heute morgen pünktlich mit dem Wecker um halb zehn aus der froschgrünen Bettwäsche gefallen und ebenso pünktlich um zehn aus dem Haus, auf in die Stadt und in die City-Arkaden. Den Uhrmacher habe ich dann auch tatsächlich recht schnell gefunden, nur natürlich nicht da, wo meine Mutter ihn mit ihrem geistigen Auge platziert hatte ("Irgendwo in der ersten Etage, und dann rechts..."), sondern in der zweiten Etage links. Nu ja. Vor mir war noch ein Ehepaar älteren Baujahrs dran, und er war offenbar ganz wichtig, denn kaum war es soweit und die Beiden hätten bedient werden können, klingelte sein Handy in ohrenbetäubender Lautstärke. Und nein, man sollte nicht meinen, er wäre direkt mal drangegangen, im Gegentum, erstmal durften sich alle Umstehenden seinen Klingelton anhören. Und nein, auch mit fortschreitender Abspieldauer wurde der nicht schöner. Klang irgendwie wie die Warteschleifenmusik vom Arbeitsamt... So begab es sich dann, daß seine Gattin den Auftrag zum Batteriewechsel gab. "Wir brauchen eine neue Batterie!" Wieso wir? Teilt ihr euch die Uhr? Ich hatte time sharing immer irgendwie in einem anderen Zusammenhang in Erinnerung. Aber gut, jeder wie er will und kann. Fünf Minuten später war ich dann an der Reihe und legte artig meine zwei mitgebrachten Uhren auf den Ladentisch. "Die Baby G führen wir aber nicht!", erklärte mir die Tante vom Laden gleich mal. Is mir wurscht, ich will ja nur ne neue Batterie, keine neue Uhr! Also bitte... "Weil wenn man die aufmacht ist da ja so viel Technik drin...", fügte sie noch hinzu. Öeh?! Das ist natürlich mal ein Grund, eine Uhr nicht im Sortiment zu haben. Mal ganz davon abgesehen, daß die Technik da auch drin ist, wenn man das Ding nicht aufmacht, ob sie mir wohl eine Uhr hätte zeigen können, wo nicht so viel Technik drin ist? Außer einer Sanduhr vielleicht? Ich hab mal nichts gesagt... Sie könne die Batterie wohl wechseln, sagte sie, aber auf meine Verantwortung. Was sollte das nun wieder heißen? Explodiert das Teil bei unsachgemäßem Batteriewechsel? Löst es sich in Wohlgefallen auf? Macht es umziemliche Geräusche? Oder wie?! Also bitte, ran an den Feind, auch auf meine Verantwortung hin, ich will ja nicht ewig mit dem Ronald-McDonald-Gedächtnis-Chronometer am Arm rumlaufen! Und so pfriemelte die gute Frau dann knappe 10 Minuten an meiner Uhr herum, puhlte und prokelte vor sich hin und lächelte dann triumphierend. Na bitte, geht doch. Und das trotz der vielen Technik! Das qualifiziert doch für den Bundesverdienstkeks! "Aber einstellen müßten sie die selbst, sie wissen ja sicher besser, wie das geht!" Nee klar, kein Thema. Zwischenzeitlich kam dann noch eine weitere Kundin in den Laden, die wohl wissen wollte, wann sie ihre Uhr denn wieder abholen könnte. Das Ding war wohl, aus welchem Grund auch immer, beim Uhrmacher himself gelandet, und sowas kann natürlich dauern. Zwei bis drei Wochen, hatte man der Kundin wohl schon bei Abgabe der Uhr mitteilig werden lassen. "Waren sie nicht gestern schon mal hier, und ich hatte ihnen gesagt es dauert noch zwei Wochen?", fragte auch prompt die zweite Dame vom Dienst. "Ja, aber ich dachte..." Was dachte sie wohl? Daß die zwei Wochen schon um sind? Sowas passiert nur, wenn man gerade seine Uhr in der Reparatur hat...

Stimmung: gut ~*~ Musik: Warren Zevon - Back in the high life again

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

*löl* wie geil^^
wie gut, dass ich keine uhr trage bzw. nur in der tasche... und wenn die batterie alle ist, geb ich die meinem vater, der hat in seinem keller garantiert immer ne batterie dafür... *hehe*

9/17/2006 11:18 AM  

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