Tuesday, September 12, 2006

Wie die Zeit vergeht...

Ich habe gerade eine nachdenkliche Phase. Doch wirklich, das kommt auch bei mir schon mal vor. Das merkt nur normalerweise keiner. Weil ich normalerweise nicht darüber schreibe. Nein, auch nicht für mich selbst, so ins Tagebuch oder so. Normalerweise denke ich einfach nur so vor mich hin. Heute probier ich das mal anders. Heute denke ich mal in Text.
Und zwar mußte ich gerade mal darüber nachdenken, wie verdammt schnell doch die Zeit vergeht. Auslöser für den Gedankengang war, man kann es sich vermutlich denken, der gestrige Tag. Damals, im September 2001, ist einiges passiert, was ich sicher nie vergessen werde. Und irgendwie kann ich noch nicht ganz glauben, daß das alles wirklich schon ganze fünf Jahre her ist. Es waren gerade mal knappe drei Wochen damals, alber die waren ganz schön turbulent.
Angefangen hat es, natürlich, am 11.September. Meinereiner kam gerade von der Schule nach Hause an diesem Dienstag, ich glaube ich hatte nach der 6.Stunde Schluß oder so. Vielleicht hab ich auch irgendwas geschwänzt, möglich. Das hab ich damals gerne gemacht, wie ich gestehen muß. Die Hausaufgaben hab ich wie so oft mal wieder Hausaufgaben sein lassen und saß recht gemütlich mit irgendwas zu Essen auf meinem Sofa vor der Glotze. Keine Ahnung mehr, was ich ursprünglich geguckt hatte, aber es war was mit Werbung. Und was macht der normale Mensch, wenn Werbung kommt? Richtig, zappen. Ich auch. Weit bin ich nicht gekommen. Nur bis zu CNN. Und da gab's Breaking News aus New York. Das erste Flugzeug war da schon in den Turm eingeschlagen. Und ich saß vor meinem Flimmerkasten mit offenem Mund und dachte nur "Scheiße, was ist da los?!" Ein Flugzeug im World Trade Center?! Vielleicht ein Sportflugzeug, dachte ich, das im Nebel vom Kurs abgekommen ist. Nur, wie mir im selben Moment klar wurde, da war gar kein Nebel. Da war strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Und für ein kleines Sportflugzeug war das Loch auch viel zu groß. Und dann kam das zweite Flugzeug. Ich war fassungslos. Die Unfall-Theorie war damit gegessen. Und ich habe zum Handy gegriffen und eine SMS an Toffi geschickt. Der saß zu der Zeit nämlich noch in der Schule, im Russisch-Kurs. Und dann hab ich weiter CNN verfolgt. Und war mit jeder Minute gebügelter. Und als die Türme einer nach dem anderen eingestürzt sind, hab ich geheult. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß das irgendwer überlebt haben könnte. Und ich habe geflucht. Auf diese kranken Drecksäcke, die das angezettelt hatten. Ich habe so geflucht, daß mir die Schimpfwörter und Verwünschungen ausgegangen sind. Und das will schon einiges heißen. Und dann habe ich weiter da gesessen und verfolgt, was passierte. Dummerweise hatte irgendwer für den Abend noch eine Info-Veranstaltung in der Schule anberaumt. Also mußte ich um kurz nach sechs doch noch weg vom Fernseher. Ich wollte nicht. Aber bei der Info-Veranstaltung ging es um die Abi-Prüfungen, und da mußte ich wohl. Ich bin sogar mit dem Auto gefahren. Damals konnte ich noch einparken, da hatte ich den Führerschein ja auch noch nicht so lange. Also konnte ich mich nach der Veranstaltung auch vor dem Haus wieder in eine kleine Parklücke schlängeln. Dann hab ich allerdings Ablenkung gebraucht. Der 11.September 2001 war auch der Tag, an dem ich mich bei eBay angemeldet habe. Zur Ablenkung eben.
Nur ein paar Tage später, am 14./15.09.01, war das CART-Rennen am Lausitzring. Ich bin mit dem Nachtzug hingefahren, am 13.09. abends, von hier nach Dresden. Auf die billigste Art und Weise, also im Sitzwagen. Wirklich bequem war die Nacht nicht, als ich um kurz nach sieben Uhr an diesem Freitag morgen in Dresden aus dem Zug gefallen bin, war ich gerädert. Aber das war es doch irgendwie wert. Schließlich hatte ich ja fünf Jahre lang auf die Chance gewartet, endlich ein CART-Rennen live zu sehen, die Fahrer zu treffen und alles. Und ich habe sie getroffen, jede Menge Fotos gemacht und noch mehr erlebt. Auch wenn die Stimmung merklich gedrückt war. Der ganze CART-Tross war ja schon vor dem 11.September mit Sack und Pack nach Deutschland gekommen, und nach dem Rennen am Lausitzring stand ein Rennen in England auf dem Plan. Und zum Ende hin wurde Stimmung nicht besser, im Gegenteil. Kurz vor Schluß passierte nämlich noch der Unfall, bei dem Alex Zanardi beide Beine verlor. Und das auch noch fast vor meiner Nase. Ich kann mich bis heute nicht erinnern, einen Kanll gehört zu haben, als der Wagen in die Mauer gekracht ist, aber ich habe das verbrannte Motoröl und Methanol gerochen. Und das hat mir schon gereicht. Auf der Rückfahrt hatte ich noch fast drei Stunden Aufenthalt auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Ich habe dort im Warteraum gesessen, zwischen lauter völlig strangen Leuten, mein Handy aufgeladen und einen Brief geschrieben. Und am nächsten Morgen in Düsseldorf hätte ich fast verschlafen, aus dem Zug auszusteigen.
Und dann, Ende September, war unsere Studienfahrt nach Barcelona. Ich hatte erst keinen Bock drauf, muß ich zugeben. Aber einmal dagewesen, wollte ich gar nicht wieder weg. Und bis heute will ich wieder hin. Die Stadt ist einfach ein Traum. Und was wir da alles erlebt haben... Angefangen bei dem Supermarkt, der bis 22:00 Uhr auf hatte und wo man für Pfenningsbeträge, oder in dem Fall noch Pesetenbeträge die leckersten Sachen kriegen konnte. Nur meine Erdbeerlimonade hab ich vergeblich gesucht. Schweinerei. Da hatte ich mich so drauf gefreut, und dann gab's die nicht mehr. Dafür gabs dann SixPack-weise San Miguel. Lecker! Und so ein Bierchen zwischendurch hat noch keinem geschadet. Auch wenn es in unserem Hotelzimmer keinen Kühlschrank gab. Eine Waschmaschine gab's auch nicht. Da mußten wir umdisponieren. Debbie und ich haben unsere Rei-in-der-Tube-gequirlten Klamotten nach der Wäsche im Waschbecken mittels Schnürsenkeln auf dem Balkon aufgehängt. Man mußte halt kreativ sein, wenn einen mitten auf der Rambla die Tauben zugeschissen hatten. Dann war da noch dieses riesige Einkaufszentrum an Hafen. Das Ding mit der Spielhölle. Endlich 18, wir durften sogar rein! Und ich hab immer versucht, irgendwen zu überreden, mit mir AirHockey zu spielen. Aber kaum einer wollte. Die Tische waren irgendwie auch nicht mehr so richtig in Schuß. Mumpf. Dafür gabs in der Spielhölle aber so einen Foto-Automaten, so'n Passbilddingens. Und da haben wir Fotos gemacht, Debbie und ich. Das war ein Spaß. Und sah sogar richtig gut aus. War ein schwarz-weiß Bild, im wahrsten Sinne des Wortes. Links Debbie, mit dem hellen T-Shirt, der hellen Haut und den hellen Haaren, und rechts ich, mit dem schwarzen Shirt und den dunklen Haaren. Das war mal ein Bild für Ewigkeit. Ich hab meins heute noch, im Geldbeutel, neben dem Foto von Hilli. Nun ja, und abends sind wir dann immer dieRamblas rauf und runter marschiert und haben die Straßenkünstler ein bißchen auf Trab gehalten... öhem... Da war zunächst mal der Kollege aus Peru, der seinen Kopf unterm Arm hatte. Stand ganz still da, bis irgendwer vorbeiging, den er erschrecken konnte. Mit dem hatten wir richtig Spaß. Ich glaube, es hat nur zwei oder drei Tage gedauert, da kannten sie uns alle. Ich konnte aber auch meine Klappe nicht halten. Dylan Studebaker kann davon ein Liedchen singen. Mit dem habe ich nämlich gleich mal eine Diskussion über Kultur in Kanada angefangen. Er meinte nämlich, da gäbs keine. Also frug ich, was denn mit Hockey wäre. Und so gings dann weiter. Irgendwann wollte er wissen, ob ich ein Kultur-Experte wäre, und wer mir eigentlich eine Sprechrolle in seiner Show gegeben hätte. "Who the hell gave you a speaking part?!" war der O-Ton. Krumm genommen hat er's aber nicht. Schließlich haben sich die Leute köstlich amüsiert und ich hatte noch mein SixPack San Miguel dabei... Öhem... An den folgenden Abenden hatten Debbie und ich dann einen Platz in der ersten Reihe sicher, wenn wir bei ihm vorbeikamen. Das war schon lustig. Er ist heute noch aktiv, aber allem Anschein nach hauptsächlich in der Gegend von Toronto. Steht jedenfalls so auf seiner Website.

Tja, und das alles ist mittlerweile schon fünf Jahre her. Die Zeit vergeht verdammt schnell. Nicht mehr lange, dann kann ich in Rente gehen...

Stimmung: okay... ~*~ Musik: Warren Zevon - Roland the Headless Thompson Gunner

1 Comments:

Anonymous Anonymous said...

hmm weiß ich auch noch, was ich am 11. september 01 gemacht hab... da hatte ich vier monate lang sechs tage die woche verwaltungskurs und kam abends heim und wollte ne serie anschauen, und dann lief auf jedem programm dasselbe, und ich erstmal, wasn jetzt los, und dann, ach du scheiße... :-(
ich weiß auch noch, dass wir am nächsten tag kein kurs gemacht haben, sondern nur darüber geredet und dann ne gedenkminute...

9/14/2006 5:04 PM  

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