Sunday, September 17, 2006

Im Arsch ist finster...

Da denkt man sich nichts böses, fläzt abends nichtsahnend vor der Glotze und guckt seine neuen DVDs (The Tribe, Staffel 4), und auf einmal macht es nur noch pfump!, und das Licht ist aus. Und nicht nur das Licht. Auch der Fernseher, der Kühlschrank, das Aquarium, das ganze Zimmer ist mit einem Schlag zappenduster. So geschehen vor etwas mehr als einer Stunde, so gegen 22:00h. Nun gut, ich muß gestehen, es ist nicht das erste Mal, daß in meinem Zimmer plötzlich Finsternis herrscht. Ist mir schon ein paar Mal passiert, da ist dann bei einer der unzähligen Lavalampen die Birne durchgebrannt und hat gleich mal die Sicherung mitgenommen. Sowas kommt vor. Allerdings hatte ich heute abend gar keine Lavalampe in Betrieb. Hier oben ist es auch so schon warm genug, da muß ich nicht noch zusätzlich heizen. Der Laptop ging immerhin noch. Es lebe der Batteriebetrieb. Allerdings war die WLAN-Verbindung zusammengebrochen, was darauf schließen ließ, daß nicht nur hier bei mir oben der Strom weg war, sondern mindestens auch noch eine Etage drunter. Da kommt Freude auf. Also Taschenlampe raus und nachgucken. Zur allgemeinen Überraschung und Erheiterung hatte der Stromausfall natürlich meine lieben Eltern wieder an den unmöglichsten Stellen getroffen. Frau Mutter weilte zu diesem Zeitpunkt geschäftlich in der keramischen Abteilung, und Vattern war in der Waschküche am krosen, brauchte wohl Klamotten für morgen. Wie er gänzlich ohne Taschenlampe da unten unverletzt wieder rausgekommen ist, mögen die Götter wissen. Aber irgendwie hat er es geschafft. Gut, es rumpelte, polterte und klirrte, aber das ist in diesem Hause ja nichts Ungewöhnliches. "Der Strom ist weg!", erkannte er auch ganz richtig, als er wieder im Erdgeschoss ankam. Sag bloß...
Nun gut, was macht man also, wenn man keinen Strom mehr hat? Richtig, raus auf die Straße und gucken, ob noch jemand betroffen ist. Und so watschelte ich also los, mit der Taschenlampe im Anschlag, barfuß und im Schlafanzug, erstmal die Straße rauf. Zehn Meter weiter die Straße runter gab es nämlich noch Strom. Ganz großer Stummfilm. Aufwärts in richtung Grundschule allerdings war Finsternis. Die Kleisttreppe lag auch im Dunkeln. Gut, nicht daß es dort auch im Hellen irgendwas Wichtiges zu sehen gäbe, aber es sei der Vollständigkeit halber mal angemerkt. Mittlerweile hatten wohl auch diverse Nachbarn ihre Taschenlampen gefunden und leuchteten suchend aus den Fenstern, und bevor die alle auch noch auf die Straße kamen und tratschten, bin ich schnell wieder heimwärts gedackelt. Dort hatte mittlerweile Vattern seine LED-Taschenlämpchen ausfindig gemacht. "Guck mal was ich hab!" Ganz stolz war er. "Ich hab zwei Techniker-Lampen!" Herzlichen Glückwunsch. Hoffentlich glaubt er jetzt nicht, er wäre Techniker, bloß weil er solche Lämpchen hat... Ich bin ja auch nicht automatisch Beamter, bloß weil ich immer und überall schlafen kann. "Die gibts in zwei Farben!" Na sowas... das nenn ich Fortschritt! "Ich hab die in rot..." Leucht... "...und in blau!" Blink... "Die kann man sogar mischen!" Leuchtblink... Himmel hilf!!! Da hat man schon einmal Stromausfall und kommt trotzdem noch in den Genuß einer Lightshow direkt vom Lichtdesigner... Grund genug für mich, in den Keller zu marschieren und eine der Gartenfackeln rauszuholen. So eine schöne Fackel kann doch viel mehr als ein LED-Lämpchen. Ist viel gemütlicher sowas. Abgesehen davon hält das auch die Nachbarn bei Laune, da haben die nämlich wieder was zum weitererzählen und rumtratschen. Genau wie damals im Winter, als ich mitten auf der Straße mit Langlauf-Ski unterwegs war. Da hatten die noch wochenlang was von! Nun ja, während ich da also mit meiner Fackel ein bißchen das Steinzeit-Feeling hervorhob (man ist ja irgendwie doch ziemlich gekniffen so ganz ohne Strom), versuchte Vattern herauszufinden, was denn nun eigentlich passiert war. Das ganze aus dem Wohnzimmer und natürlich per Handy, das normale Telefon war ja auch nicht einsatzfähig. Und so kam er dann mit der Info rüber, daß wohl eine Trafo-Station ausgefallen wäre, die Reparatur schon im Gange sei, aber das Ganze wohl länger dauern würde. Da sieht man's mal wieder, man kann alles herausfinden, man muß nur wissen, wo man anrufen muß. Und während jeder andere vielleicht versucht hätte, die Stadtwerke, die Polizei, die Feuerwehr, das THW, den Katastrophenschutz, die GSG9 oder den Geheimdienst anzurufen (die letzten drei Alternativen wären vermutlich erste Wahl bei unserer paranoiden Nachbarin, denn so ein Stromausfall könnte ja auch wieder eine von langer Hand geplante Verschwörung gegen ihr Leib und Leben sein...), machte es sich Vattern doch wieder ganz einfach und rief einfach ein paar Häuser weiter an. Da nämlich wohnt einer seiner Kollegen, seines Zeichens Techniker in der Stadthalle und die männliche Antwort auf alle Klatschtanten dieser Stadt. Es passiert hier nichts, ohne daß der Mann Wind davon kriegt und innerhalb kürzester Zeit jedes Detail weiß. Und er weiß es dann nicht nur, er erzählt es auch weiter. Die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda... Was muß das damals für ein Schlag für ihn gewesen sein, als in dieser Straße jemand verstarb, während er gerade arbeiten war... Nun ja... Dafür wußte er dann als Erster, wer wann wo woran gestorben war. Aber lassen wir das. Die Klatschtanten und -onkel in dieser Straße sind ein Kapitel für sich. Irgendein Hobby braucht ja jeder. Immerhin wußten wir jetzt auch mal, was eigentlich Ambach war.
Aber was macht man, so gänzlich im Dunklen, ohne Strom? Eigentlich hatte ich ja noch ein Bad nehmen wollen, aber der Durchlauferhitzer braucht ja auch Strom, und kalt baden... igitt! Danke, ich verzichte. Man könnte also schlafen gehen. Kann ja auch nicht schaden, wenn man mal früher an der Matratze lauscht. Gesagt, getan. Auf dem Weg ins Bett bin ich noch gegen den Staubsauger gelatscht und beinahe auf die Katze getreten, aber irgendwie kommt man ja immer da an, wo man hin will. Dumm nur, daß ich nichts mehr zu trinken parat hatte, und den Kühlschrank wollte ich sicherheitshalber nicht aufmachen. Sechs Stunden Kälte speichert er ja wohl, wenn man die Tür zu läßt... Nun ja. Mußte das eben ohne gehen. Also ab in die froschgrüne Bettwäsche, Augen zu, Licht war ja schon aus. Allerdings nicht lange. Denn kaum hatte ich die Augen zu, ging das Licht wieder an. Großer Bahnhof in der elektrischen Abteilung, die Pumpe im Aquarium fing wieder das Blubbern an, der Kühlschrank schnurrte, der Videorekorder rödelte... Da hatte wohl jemand schnell gearbeitet an der Trafostation. Und das an einem Sonntag abend. Die Telekom braucht da ja länger, wenn die Telefonleitung oder die Einwahl ins Internet mal ausfällt. Es gibt doch auch nocht positive Überraschungen auf dieser Welt... und mir bleibt es erspart, morgen das aufgetaute Zeug aus drei Gefrierschränken zu vertilgen.

Stimmung: gut ~*~ Musik: ./.

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