Ich packe meinen Koffer... oder Das Babuschka-Prinzip
Gestern - oder mittlerweile schon vorgestern - abend habe ich den Fehler gemacht, mich der letzten verbliebenen Chaos-Ecke in meinem Zimmer mal zu nähern. Jener Ecke nämlich, die sich genau über meiner Zimmertür befindet. Die Ecke, die nur mittels Leiter zu erreichen ist, die Ecke, in der sich sämtliche Koffer der Familie tummeln. Schön aufgereiht standen sie da, die Koffer, völlig eingestaubt zwar, aber immerhin in Reih und Glied. Was sich allerdings dahinter befand, das galt es herauszufinden und im Zweifelsfalle zu entsorgen. Ich würde ja auch zu gern die Koffer an sich loswerden, aber das ist nicht ganz so einfach. Zum einen gibt es im ganzen Haus sonst keinen Platz, wo man die Dinger lagern könnte, und zum anderen hängt meine Mutter an den Dingern. Allerdings sollte man nicht vermuten, daß in diesem Hause irgendwer einen Koffer benutzen würde, wenn er oder sie auf Reisen geht. Mitnichten. Und Neffen. Ich selbst bevorzuge da den schlichten Seesack. Da geht auch alles rein, was rein muß, und nebenbei eignet sich das Ding auch noch als Sitzsack, Kopfkissen, Puffer und Kleinkinderblocker. Rundum also ein praktisches Teil. Da hat sich die Armee schon was bei gedacht. Und meine Eltern... öhem ja. Wenn die auf Reisen gehen, dann geht es eigentlich immer nach Holland. Höchstens noch einmal im Jahr an den Schliersee. Und nein, für derlei Reisen braucht man keinen Koffer. Meine Eltern jedenfalls nicht. Die Klamotten kommen schön in eine Reisetasche, oder aber auch nur in eine dieser nicht gänzlich unbekannten, überdimensionalen blauen IKEA-Taschen. Und der Rest... nun, der Rest landet in Stofftaschen. Jawohl, Stofftaschen. Die Dinger, die man normalerweise zum Einkaufen mitnimmt. Und so zuckeln sie dann los, mit der Reisetasche und ungefähr 10 bis 15 Stofftaschen. Eine Stofftasche für die Elektrik (sprich Handy-Ladegeräte, Blutdruckmessgerät etc.), eine Stofftasche für die Zeitschriften meiner Frau Mutter (Igitte und Co.), eine Stofftasche für die Zeitungen von Vattern, eine Stofftasche für Mutters Strickzeug, eine Stofftasche für den Reiseproviant und so weiter und so fort. Daß das Ganze an Unpraktikabilität kaum noch zu übertreffen ist, muß ich wohl nicht erwähnen. Sowas kann man sich auch nur erlauben, wenn man mit dem Auto auf Reisen geht. Im Flugzeug wäre das nicht drin.
Womit wir auch wieder bei den Koffern wären. Früher, also zu Zeiten wo ich als halbe Portion noch ermäßigte Preise bei Reiseveranstaltern bekam, sind wir ja sommers immer nach Gran Canaria geflogen. Sehr schöne Insel, kann ich nur jedem empfehlen. Da ist sogar eine Kurve nach mir benannt worden (inoffiziell natürlich), irgendwo zwischen San Bartolome de Tirajana und dem Cruz de Tejeda. In der Kurve mußte ich nämlich auf jeder Inselrundfahrt kotzen... Aber gut, ich schweife ab, mal wieder. Wir waren ja bei Koffern und Flugreisen. Unsere letzte Flugreise haben wir 1994 gemacht, eben nach Gran Canaria. Und seitdem ging es immer nur noch mit dem Auto nach Holland. Mit anderen Worten, seitdem wurden auch keine Koffer mehr gebraucht. Und so staubten die Dinger also über meiner Tür vor sich hin. Bis vorgestern abend. Da ritt mich dann der Teufel und ich habe die Dinger mal da runter geholt. Zum einen um zu sehen, ob und wenn ja was drin ist, und zum anderen um zu sehen, ob man den ganzen Kram nicht platzsparender hinstellen könnte. Nun ja... schon allein das Herunterwuchten der Koffer war eine Aktion für sich, teilweise hatten die nämlich ein Gewicht, als hätte sie jemand mit Backsteinen, Bleikugeln oder Goldbarren befüllt. Nicht, daß ich gegen Goldbarren was gehabt hätte... Aber leider waren keine drin. Da war zunächst mal dieser riesige braune Lederkoffer mit dem abgerissenen Griff. Für den hatte ich mittlerweile das offizielle OK zur Entsorgung, denn der ist wirklich nicht mehr zu gebrauchen. Zuletzt benutzt wurde er allem Anschein nach für die Reise nach Florida im Sommer 1993. Dabei mußte wohl auch der Griff abgerissen sein, ab einer gewissen Füllmenge ist das Material eben überlastet (und daß wir damals keine Gebühren für Übergewicht zahlen mußten, ist mir bis heute unverständlich...). Dem Gewicht nach zu urteilen war aber wie gesagt noch irgendwas in diesem Koffer enthalten, also habe ich ihn aufgemacht... nur um auf ein baugleiches Exemplar Koffer zu stoßen, nur eben eine Nummer kleiner. Aber auch der hatte noch zu viel Gewicht für einen leeren Koffer, also hab ich den kleinen auch noch aufgemacht. Und Überraschung, da war noch ein kleinerer Koffer drin, ebenfalls baugleiches Exemplar. Sowas nennt man dann wohl Babuschka-Prinzip. Man kennt ja Babuschkas, diese kleinen (oder auch größeren) russischen Holzpüppchen, die man in der Mitte öffnen kann, um dann auf ein kleineres Exemplar der gleichen Puppe zu stoßen. Genau so funktionierte das mit diesen Koffern auch. Irgendwie gab mir das zu denken, denn schließlich standen dort oben auch noch ein roter und ein schwarzer Hartschalenkoffer, und irgendetwas sagte mir... nun ja. Ich lag falsch, wie sich herausstellen sollte. Beim Öffnen des großen, schwarzen Koffers krachte mir nämlich ein kleiner roter Koffer auf die Knochen. Da kam Freude auf, das Ding war schwer! Woher das Gewicht kam, ist wohl nicht schwer zu erraten. Der kleine rote Koffer war nämlich auch voll. Zum Glück zwar nicht mit einem noch kleineren roten Koffer, dafür aber mit einem ganzen Konglomerat an Reisetaschen. Nein, ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die Dinger größtenteils noch nie benutzt wurden, geschweige denn jemals benutzt werden. So viel Urlaub hat einfach kein Mensch. Höchstens vielleicht, wenn ich doch noch irgendwann auswandere, dann kriegen die Teile vielleicht ihren großen Auftritt. Nun denn. Nun war da aber auch noch ein etwas kleinerer schwarzer Koffer, und ich dachte mir so schön, steckste mal den kleinen in den großen Koffer und gut ist. Aber Nüsse. Kaum war nämlich der kleine Koffer im großen Koffer, ging der große Koffer nicht mehr zu. Da konnte ich drücken und draufspringen wie ich wollte, das Ding wollte nicht zu gehen. Also Kommando zurück und erst mal in den großen roten Koffer reingeguckt. Vielleicht konnte man da... aber Irrtum. Fataler Fehler. Der große rote Koffer war nämlich randvoll mit dicken Winterklamotten meiner lieben Eltern. Nein, trotz diverser Urlaube in Bayern, diese Winterklamotten sind schon seit Jahren nicht mehr getragen worden. Wie denn auch, sie waren ja im Koffer. Nun hätte ich in diesem Koffer aber statt den ganzen Schneeanzügen und Daunenjacken viel lieber den kleinen schwarzen Koffer gesehen... Also wurde umdisponiert. Die Winterklamotten kamen soweit wie ging in den kleinen schwarzen Koffer, und der wiederum dann in den großen roten Koffer. Was an Winterklamotten noch übrig war, kam in den kleinen braunen Lederkoffer, den ich zu diesem Zwecke extra nochmal aus dem großen braunen Lederkoffer puhlen mußte, was auch nicht so ganz einfach war. Wozu die ganzen Winterklamotten überhaupt noch gebraucht werden, ist mir auch ein Rätsel. Getragen wurden die schon seit Jahren nicht mehr. Vielleicht - oder eher hoffentlich - wird da auch noch aussortiert... Zu dem kleinen braunen Lederkoffer in den großen braunen Lederkoffer kam dann noch ein Faltkoffer, der mir schon seit Jahren auf den Keks ging, weil er nämlich immer irgendwo im Zimmer rumflog und somit ständig im Weg war. Aber gut, der war jetzt auch außer Sicht, endlich. Der kleine rote Koffer mit den vielen Reisetaschen (die nebenbei bemerkt auch schon seit Jahren nicht mehr genutzt wurden, sofern sie überhaupt jemals zum Einsatz gekommen waren) kam dann in den großen schwarzen Koffer, um das Babuschka-Prinzip mal ein wenig zu entzerren. Man muß ja nicht immer baugleiche Modelle zusammensetzen. Schlußendlich dürfte es sowieso egal sein, da nicht davon auszugehen ist, daß diese Koffer in den nächsten Jahren mal wieder zum Einsatz kommen. Es sei denn, ich wandere tatsächlich aus...
Letzte Aktion des Abends war dann das Zurückwuchten der Koffer an ihren Platz über der Tür. Ganz leicht war das nicht, denn die Koffer hatten im Laufe der Aktion irgendwie zugenommen... Aber mit Hängen und Würgen haben sie's dann doch wieder an ihren alten Platz geschafft. Und da bleiben sie jetzt für die nächsten Jahre. Nehmen aber immerhin nicht mehr so viel Platz weg.
Stimmung: passt scho'... ~*~ Musik: Jack Ingram - Mustang Burn
Womit wir auch wieder bei den Koffern wären. Früher, also zu Zeiten wo ich als halbe Portion noch ermäßigte Preise bei Reiseveranstaltern bekam, sind wir ja sommers immer nach Gran Canaria geflogen. Sehr schöne Insel, kann ich nur jedem empfehlen. Da ist sogar eine Kurve nach mir benannt worden (inoffiziell natürlich), irgendwo zwischen San Bartolome de Tirajana und dem Cruz de Tejeda. In der Kurve mußte ich nämlich auf jeder Inselrundfahrt kotzen... Aber gut, ich schweife ab, mal wieder. Wir waren ja bei Koffern und Flugreisen. Unsere letzte Flugreise haben wir 1994 gemacht, eben nach Gran Canaria. Und seitdem ging es immer nur noch mit dem Auto nach Holland. Mit anderen Worten, seitdem wurden auch keine Koffer mehr gebraucht. Und so staubten die Dinger also über meiner Tür vor sich hin. Bis vorgestern abend. Da ritt mich dann der Teufel und ich habe die Dinger mal da runter geholt. Zum einen um zu sehen, ob und wenn ja was drin ist, und zum anderen um zu sehen, ob man den ganzen Kram nicht platzsparender hinstellen könnte. Nun ja... schon allein das Herunterwuchten der Koffer war eine Aktion für sich, teilweise hatten die nämlich ein Gewicht, als hätte sie jemand mit Backsteinen, Bleikugeln oder Goldbarren befüllt. Nicht, daß ich gegen Goldbarren was gehabt hätte... Aber leider waren keine drin. Da war zunächst mal dieser riesige braune Lederkoffer mit dem abgerissenen Griff. Für den hatte ich mittlerweile das offizielle OK zur Entsorgung, denn der ist wirklich nicht mehr zu gebrauchen. Zuletzt benutzt wurde er allem Anschein nach für die Reise nach Florida im Sommer 1993. Dabei mußte wohl auch der Griff abgerissen sein, ab einer gewissen Füllmenge ist das Material eben überlastet (und daß wir damals keine Gebühren für Übergewicht zahlen mußten, ist mir bis heute unverständlich...). Dem Gewicht nach zu urteilen war aber wie gesagt noch irgendwas in diesem Koffer enthalten, also habe ich ihn aufgemacht... nur um auf ein baugleiches Exemplar Koffer zu stoßen, nur eben eine Nummer kleiner. Aber auch der hatte noch zu viel Gewicht für einen leeren Koffer, also hab ich den kleinen auch noch aufgemacht. Und Überraschung, da war noch ein kleinerer Koffer drin, ebenfalls baugleiches Exemplar. Sowas nennt man dann wohl Babuschka-Prinzip. Man kennt ja Babuschkas, diese kleinen (oder auch größeren) russischen Holzpüppchen, die man in der Mitte öffnen kann, um dann auf ein kleineres Exemplar der gleichen Puppe zu stoßen. Genau so funktionierte das mit diesen Koffern auch. Irgendwie gab mir das zu denken, denn schließlich standen dort oben auch noch ein roter und ein schwarzer Hartschalenkoffer, und irgendetwas sagte mir... nun ja. Ich lag falsch, wie sich herausstellen sollte. Beim Öffnen des großen, schwarzen Koffers krachte mir nämlich ein kleiner roter Koffer auf die Knochen. Da kam Freude auf, das Ding war schwer! Woher das Gewicht kam, ist wohl nicht schwer zu erraten. Der kleine rote Koffer war nämlich auch voll. Zum Glück zwar nicht mit einem noch kleineren roten Koffer, dafür aber mit einem ganzen Konglomerat an Reisetaschen. Nein, ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die Dinger größtenteils noch nie benutzt wurden, geschweige denn jemals benutzt werden. So viel Urlaub hat einfach kein Mensch. Höchstens vielleicht, wenn ich doch noch irgendwann auswandere, dann kriegen die Teile vielleicht ihren großen Auftritt. Nun denn. Nun war da aber auch noch ein etwas kleinerer schwarzer Koffer, und ich dachte mir so schön, steckste mal den kleinen in den großen Koffer und gut ist. Aber Nüsse. Kaum war nämlich der kleine Koffer im großen Koffer, ging der große Koffer nicht mehr zu. Da konnte ich drücken und draufspringen wie ich wollte, das Ding wollte nicht zu gehen. Also Kommando zurück und erst mal in den großen roten Koffer reingeguckt. Vielleicht konnte man da... aber Irrtum. Fataler Fehler. Der große rote Koffer war nämlich randvoll mit dicken Winterklamotten meiner lieben Eltern. Nein, trotz diverser Urlaube in Bayern, diese Winterklamotten sind schon seit Jahren nicht mehr getragen worden. Wie denn auch, sie waren ja im Koffer. Nun hätte ich in diesem Koffer aber statt den ganzen Schneeanzügen und Daunenjacken viel lieber den kleinen schwarzen Koffer gesehen... Also wurde umdisponiert. Die Winterklamotten kamen soweit wie ging in den kleinen schwarzen Koffer, und der wiederum dann in den großen roten Koffer. Was an Winterklamotten noch übrig war, kam in den kleinen braunen Lederkoffer, den ich zu diesem Zwecke extra nochmal aus dem großen braunen Lederkoffer puhlen mußte, was auch nicht so ganz einfach war. Wozu die ganzen Winterklamotten überhaupt noch gebraucht werden, ist mir auch ein Rätsel. Getragen wurden die schon seit Jahren nicht mehr. Vielleicht - oder eher hoffentlich - wird da auch noch aussortiert... Zu dem kleinen braunen Lederkoffer in den großen braunen Lederkoffer kam dann noch ein Faltkoffer, der mir schon seit Jahren auf den Keks ging, weil er nämlich immer irgendwo im Zimmer rumflog und somit ständig im Weg war. Aber gut, der war jetzt auch außer Sicht, endlich. Der kleine rote Koffer mit den vielen Reisetaschen (die nebenbei bemerkt auch schon seit Jahren nicht mehr genutzt wurden, sofern sie überhaupt jemals zum Einsatz gekommen waren) kam dann in den großen schwarzen Koffer, um das Babuschka-Prinzip mal ein wenig zu entzerren. Man muß ja nicht immer baugleiche Modelle zusammensetzen. Schlußendlich dürfte es sowieso egal sein, da nicht davon auszugehen ist, daß diese Koffer in den nächsten Jahren mal wieder zum Einsatz kommen. Es sei denn, ich wandere tatsächlich aus...
Letzte Aktion des Abends war dann das Zurückwuchten der Koffer an ihren Platz über der Tür. Ganz leicht war das nicht, denn die Koffer hatten im Laufe der Aktion irgendwie zugenommen... Aber mit Hängen und Würgen haben sie's dann doch wieder an ihren alten Platz geschafft. Und da bleiben sie jetzt für die nächsten Jahre. Nehmen aber immerhin nicht mehr so viel Platz weg.
Stimmung: passt scho'... ~*~ Musik: Jack Ingram - Mustang Burn




1 Comments:
ich frag mich grad, ob wir auch koffer haben... reisetaschen haben wir, klar, und was kofferähnliches zum ziehen... aber richtige koffer... kann mich nicht erinnern mal einen gesehen zu haben... *grübel* aber das will nix heißen, irgendwo ist bestimmt einer versteckt...^^
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