Verstrümpelt, verschraubt und verflucht
Nun begab es sich zu Beginn dieser zweiten Nachtschicht, daß ein Weihnachtsbaum abgebaut werden müsse. Genauer genommen der sogenannte "Kinderwunschbaum" auf dem Marktplatz vor C&A (was für ein blöder Name... wie kann man sich Kinder wünschen?!?!). Klang ja zunächst mal nach abrocken und fertig. Dachten Sausel und ich auch, als wir dafür eingeteilt wurden. Also sind wir mal losgestiefelt und haben uns einen anderen Steiger geholt, der von gestern stand ja noch oben auf dem Parkdeck, und wir mußten diesmal unten arbeiten. Nachdem Sausel diesen Steiger dann die Laderampe hoch und durch die Elefantentür ins Centro geschafft hatte, trat er beseite mit den Worten "So, jetzt fährst du..." Däh... hatte er das doch nicht vergessen. Zu früh gefreut. Aber gut, man muß wohl wirklich alles mal gemacht haben. Immerhin hatte ich ja gestern schon mal zugeguckt, wie das funktioniert. Ich also in den Korb geklettert und Position bezogen. Und dann ganz langsam hinterm Sausel her. Der hat vor mir den Einweiser gemacht. Hat auch ganz gut funktioniert. Also geradeaus fahren ging schon mal. Das abschließende Rangieren um den Weihnachtsbaum hab ich dann aber doch wieder dem Sausel überlassen, die Schaufensterfront von C&A war mir einfach zu groß...
Und da standen wir dann vor diesem Weihnachtsbaum... Man stelle sich also so ein Ding vor, in Form eines überdimensionalen Räucherkegels, gute 10 Meter hoch, mit Lichterkette drumherum. Die Kugeln und den anderen Firlefanz hatte der Dekorateur wohl schon vorher entfernt, und wir sollten jetzt den Rest demontieren. Schöne Idee. Also mal den Baum von allen Seiten in Augenschein genommen. Zwischendurch kam Micki in seiner Funktion als radelnder Produktionsassi vorbei und meldete, die Linearmelder wären offline, wir könnten jetzt Steiger fahren. Wir also in den Korb und hochgefahren zur Baumspitze, um die mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie das oberste Segment verschraubt war, haben wir ja auch schnell gefunden, aber dann gings erst richtig los... Die Logik hätte ja demjenigen, der den Baum aufgebaut hatte, geboten, pro Segment eine Lichterkette zu verbauen. Allerdings hatte die Logik bei besagtem jenigen wohl ganz schlechte Karten... Wir mußten nämlich sehr schnell feststellen, daß die Lichterketten da oben nicht nur von kreuz nach quer, von oben nach unten und von unten nach oben über mehrere Segmente verlegt worden waren, sondern zu allem Überfluß war auch noch mindestens jedes zweite Lämpchen mit winzigen Kabelbindern an den Zweigen festgestrappst. Ganz großes Kino. Da war wirklich ein Genie am Werk gewesen. Wir uns also mit Seitenschneidern bewaffnet und versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen. War gar nicht mal so einfach. Es vergingen auch keine fünf Minuten, bis es zum ersten Mal neben mir tönte: "F*CK!!! Kabel erwischt!" Und es sollte auch nicht das letzte Mal so tönen. Bis halb zwölf (also in sage und schreibe 2 1/2 Stunden) hatten wir es dann geschafft, immerhin die obersten zwei Segmente zu demontieren. Und wir hatten eine Krawatte bis nach Castrop-Rauxel. Micki kam mal wieder vorbei und durfte gleich mal Micha anfunken, damit der sich das Dilemma auch noch ansehen konnte. Und auch Micha war wenig begeistert von dem, was er da sah und von uns erzählt bekam. Eine bitterböse eMail wollte er schreiben, versicherte er uns, und ließ gleich mal den zufällig anwesenden Verantwortlichen vom Centro antraben, damit auch der sich die Bescherung ansehen konnte. Enden tat das Ganze mit der Aussage, wir sollten weitermachen, der Baum müsse ja schließlich weg, aber wenns nicht anders ginge, sollten wir einfach die Lichterketten kaputtschneiden. Das war doch mal eine Aussage, und mit der im Rücken machten wir uns ans dritte Segment. Wieder mit dem Seitenschneider im Anschlag. Die Crew, die diesen Baum aufgebaut hatte, hatte offensichtlich Mengenrabatt beim Kauf von Kabelbindern bekommen. Zu unserer Überraschung kehrte in den folgenden Segmenten doch plötzlich die Logik wieder ein, und die Lichterketten waren segmentweise verbaut. Im Prinzip mußten wir also nur noch die Steckverbindungen finden, die die Ketten untereinander verbanden. War aber auch nicht unbedingt so einfach, wie es sich anhört. Die Kuplungen waren nämlich auch mit Kabelbindern verstrümpelt. Nein, lustig war das nicht.
Die oberen vier Segmente hatten wir demontiert, als wir uns dann doch erstmal zum Mittagessen begaben. Koteletts mit Kartoffeln und Rotkohl, lecker! Über schlechte Versorgung konnte man sich im Container weiß Gott nicht beklagen. Bei der Gelegenheit haben wir dann auch gleich Micha berichtet, daß sich die Situation im Baum vielleicht doch noch bessert und wir womöglich doch eine reelle Chance haben, bis zum Morgengrauen fertig zu werden, ohne sämtliche Lichterketten zu terminieren.
Gegen halb zwei waren wir dann wieder an unserem Baum zu Gange und haben uns weiter nach unten vorgearbeitet. Dankenswerterweise hielt sich das bißchen eingekehrter Logik in puncto Lichterketten und wir kamen relativ gut durch. Die untersten Segmente entpuppten sich dann als mehrteilig, was auch wieder so ein Späßchen für sich war. Höhepunkt des Tages war dann allerdings das unterste Segment, denn das war noch mit der Bühne darunter verschraubt. Die Bühne an sich war 120cm hoch und über einen Brunnen gebaut worden. Das hab ich allerdings auch erst bemerkt, als ich unter der Bühne verschwand, um die Schrauben zu lösen. Ganz großes Hallenhalma! Nicht nur, daß es in dem bißchen Freiraum vor dem Brunnen schon aussah wie Dresden '45 (die Dekos hatten wohl einfach ihren Krempel unter den berühmten Teppich gekehrt), nein, ich mußte auch noch bäuchlings durch einen Brunnen kreuchen. Es war eng, es war schmärig, es war dunkel. Und ich habe geflucht. Milde ausgedrückt. Kurz vor der letzten Schraube hab ich mir dann auch noch die Runkel an einer Podestklammer angehauen. Super Sache. Ich war froh, als ich dann wieder unter der Bühne hervorkommen konnte... Die Hands haben derweil schon die Baumteile abtransportiert, so daß Sausel und ich dann nur noch ein bißchen klar Schiff machen (sprich: Zillionen gekillter Kabelbinder wegschmeißen) mußten, bevor wir uns dann wieder auf unseren Steiger stellen und in Richtung Ausgang fahren konnten. Da war es dann auch in der Tat schon gute sechs Uhr.
Zurück im Container gabs dann noch ein Briefeing für die nächste Nacht. Die Kronleuchter mußten noch abmontiert werden, und dafür, so hatte es allgemein geheißen, würde Manpower gebraucht. Allerdings sollte die Truppe auch dezimiert werden, und aus der Kombination dieser beiden Aussagen hatte ich irgendwie schon damit gerechnet, nicht nochmal dabei zu sein. Aber Irrtum... Also heißt es heute nacht Kronleuchter runter... und jetzt heißt es: pennen!!!
Stimmung: müde, aber gut ~*~ Musik: ./.
Und da standen wir dann vor diesem Weihnachtsbaum... Man stelle sich also so ein Ding vor, in Form eines überdimensionalen Räucherkegels, gute 10 Meter hoch, mit Lichterkette drumherum. Die Kugeln und den anderen Firlefanz hatte der Dekorateur wohl schon vorher entfernt, und wir sollten jetzt den Rest demontieren. Schöne Idee. Also mal den Baum von allen Seiten in Augenschein genommen. Zwischendurch kam Micki in seiner Funktion als radelnder Produktionsassi vorbei und meldete, die Linearmelder wären offline, wir könnten jetzt Steiger fahren. Wir also in den Korb und hochgefahren zur Baumspitze, um die mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie das oberste Segment verschraubt war, haben wir ja auch schnell gefunden, aber dann gings erst richtig los... Die Logik hätte ja demjenigen, der den Baum aufgebaut hatte, geboten, pro Segment eine Lichterkette zu verbauen. Allerdings hatte die Logik bei besagtem jenigen wohl ganz schlechte Karten... Wir mußten nämlich sehr schnell feststellen, daß die Lichterketten da oben nicht nur von kreuz nach quer, von oben nach unten und von unten nach oben über mehrere Segmente verlegt worden waren, sondern zu allem Überfluß war auch noch mindestens jedes zweite Lämpchen mit winzigen Kabelbindern an den Zweigen festgestrappst. Ganz großes Kino. Da war wirklich ein Genie am Werk gewesen. Wir uns also mit Seitenschneidern bewaffnet und versucht, Ordnung ins Chaos zu bringen. War gar nicht mal so einfach. Es vergingen auch keine fünf Minuten, bis es zum ersten Mal neben mir tönte: "F*CK!!! Kabel erwischt!" Und es sollte auch nicht das letzte Mal so tönen. Bis halb zwölf (also in sage und schreibe 2 1/2 Stunden) hatten wir es dann geschafft, immerhin die obersten zwei Segmente zu demontieren. Und wir hatten eine Krawatte bis nach Castrop-Rauxel. Micki kam mal wieder vorbei und durfte gleich mal Micha anfunken, damit der sich das Dilemma auch noch ansehen konnte. Und auch Micha war wenig begeistert von dem, was er da sah und von uns erzählt bekam. Eine bitterböse eMail wollte er schreiben, versicherte er uns, und ließ gleich mal den zufällig anwesenden Verantwortlichen vom Centro antraben, damit auch der sich die Bescherung ansehen konnte. Enden tat das Ganze mit der Aussage, wir sollten weitermachen, der Baum müsse ja schließlich weg, aber wenns nicht anders ginge, sollten wir einfach die Lichterketten kaputtschneiden. Das war doch mal eine Aussage, und mit der im Rücken machten wir uns ans dritte Segment. Wieder mit dem Seitenschneider im Anschlag. Die Crew, die diesen Baum aufgebaut hatte, hatte offensichtlich Mengenrabatt beim Kauf von Kabelbindern bekommen. Zu unserer Überraschung kehrte in den folgenden Segmenten doch plötzlich die Logik wieder ein, und die Lichterketten waren segmentweise verbaut. Im Prinzip mußten wir also nur noch die Steckverbindungen finden, die die Ketten untereinander verbanden. War aber auch nicht unbedingt so einfach, wie es sich anhört. Die Kuplungen waren nämlich auch mit Kabelbindern verstrümpelt. Nein, lustig war das nicht.
Die oberen vier Segmente hatten wir demontiert, als wir uns dann doch erstmal zum Mittagessen begaben. Koteletts mit Kartoffeln und Rotkohl, lecker! Über schlechte Versorgung konnte man sich im Container weiß Gott nicht beklagen. Bei der Gelegenheit haben wir dann auch gleich Micha berichtet, daß sich die Situation im Baum vielleicht doch noch bessert und wir womöglich doch eine reelle Chance haben, bis zum Morgengrauen fertig zu werden, ohne sämtliche Lichterketten zu terminieren.
Gegen halb zwei waren wir dann wieder an unserem Baum zu Gange und haben uns weiter nach unten vorgearbeitet. Dankenswerterweise hielt sich das bißchen eingekehrter Logik in puncto Lichterketten und wir kamen relativ gut durch. Die untersten Segmente entpuppten sich dann als mehrteilig, was auch wieder so ein Späßchen für sich war. Höhepunkt des Tages war dann allerdings das unterste Segment, denn das war noch mit der Bühne darunter verschraubt. Die Bühne an sich war 120cm hoch und über einen Brunnen gebaut worden. Das hab ich allerdings auch erst bemerkt, als ich unter der Bühne verschwand, um die Schrauben zu lösen. Ganz großes Hallenhalma! Nicht nur, daß es in dem bißchen Freiraum vor dem Brunnen schon aussah wie Dresden '45 (die Dekos hatten wohl einfach ihren Krempel unter den berühmten Teppich gekehrt), nein, ich mußte auch noch bäuchlings durch einen Brunnen kreuchen. Es war eng, es war schmärig, es war dunkel. Und ich habe geflucht. Milde ausgedrückt. Kurz vor der letzten Schraube hab ich mir dann auch noch die Runkel an einer Podestklammer angehauen. Super Sache. Ich war froh, als ich dann wieder unter der Bühne hervorkommen konnte... Die Hands haben derweil schon die Baumteile abtransportiert, so daß Sausel und ich dann nur noch ein bißchen klar Schiff machen (sprich: Zillionen gekillter Kabelbinder wegschmeißen) mußten, bevor wir uns dann wieder auf unseren Steiger stellen und in Richtung Ausgang fahren konnten. Da war es dann auch in der Tat schon gute sechs Uhr.
Zurück im Container gabs dann noch ein Briefeing für die nächste Nacht. Die Kronleuchter mußten noch abmontiert werden, und dafür, so hatte es allgemein geheißen, würde Manpower gebraucht. Allerdings sollte die Truppe auch dezimiert werden, und aus der Kombination dieser beiden Aussagen hatte ich irgendwie schon damit gerechnet, nicht nochmal dabei zu sein. Aber Irrtum... Also heißt es heute nacht Kronleuchter runter... und jetzt heißt es: pennen!!!
Stimmung: müde, aber gut ~*~ Musik: ./.




1 Comments:
Du hast nen schön abwechslungsreichen Job, da wird dir mit Sicherheit nicht langweilig ;)
Besser wie den ganzen Tag Ablage und Co. *g*
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